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Vietnam Sehenswürdigkeit: Die Tunnel von Cu Chi

Ein beeindruckendes Zeugnis vietnamesischer Geschichte

Die Tunnel von Cu Chi sind ein unterirdisches Tunnelsystem in Südvietnam, die nach der gleichnamigen Region benannt sind. Sie sind rund 25 Kilometer in nordwestlicher Richtung von Ho Chi Minh-Stadt, dem ehemaligen Saigon, entfernt. Die Cu Chi Tunnel wurden während der Kriege gegen Franzosen und insbesondere gegen die Amerikaner dazu genutzt, Waffen zu lagern, Vorräte anzulegen und die Zivilbevölkerung, verwundete Soldaten und Partisanen vor dem Feind - zunächst Franzosen und später Amerikaner - zu schützen.

Verzweigung im unterirdischen Tunnelsystem mit künstlicher Beleuchtung
Das verzweigte System erstreckte sich über Hunderte von Kilometern und bot Schutz vor Luftangriffen.

Der historische Hintergrund der Cu Chi Tunnel

Die Tunnel von Cu Chi waren die Basisstellung der Vietcong während der Tet-Offensive, die als Überraschungsangriff am Vorabend des vietnamesischen Neujahrsfestes geplant war. Sie fand vom 30. Januar bis zum 23. September 1968 statt und bestand aus mehreren militärischen Operationen der nordvietnamesischen Armee und der Vietcong. In verschiedenen historischen Untersuchungen wurde die Tet-Offensive als Wendepunkt im Vietnamkrieg bezeichnet. Einerseits wurde deutlich, dass die bisher der amerikanischen Öffentlichkeit vorgegaukelte Botschaft, dass der Krieg bald gewonnen sei, nicht der Wahrheit entsprach. Andererseits wurden insbesondere die Presse und damit auch die Bevölkerung in den USA und weltweit durch die kurzfristige Besetzung der amerikanischen Botschaft durch den Vietcong auf den Krieg aufmerksam. Es war der Beginn massiver Antikriegsbewegungen vor allem in den Vereinigten Staaten, die mit dazu beitrugen, dass dieser furchtbare Krieg, der nach der Teilung Vietnams im Jahr 1954 als Bürgerkrieg in Südvietnam begonnen hatte, im Jahr 1975 endlich beendet wurde.

Die Ci Chu Tunnel: Drei Ebenen und eine Gesamtlänge von 250 Kilometern

Die ersten Tunnel entstanden im Jahr 1948, im Krieg gegen die Kolonialmacht Frankreich. Bereits zu dieser Zeit nutzten die Einwohner die Tunnel, um Nahrungsmittelvorräte anzulegen, Menschen zu schützen und um Waffen zu lagern. Bedeutsamer waren die Ci Chu Tunnel jedoch im Vietnamkrieg. Nachdem die Franzosen den Vietnamesen unterlagen, entsandten die USA Truppen nach Vietnam, die in der Nähe von Cu Chi ein Hauptquartier errichteten. Die Amerikaner ahnten nicht, dass der vietnamesische Feind in unmittelbarer Nähe unter der Erde lauerte. Mit Beginn des Vietnamkrieges im Jahr 1960 erweiterten die vietnamesischen Partisanen, die auch als Vietcong bezeichnet wurden, das Tunnelsystem. Es wurde vertieft und erweitert, sodass es sich schließlich über eine Gesamtlänge von rund 220 Kilometer und über drei Ebenen erstreckte. Die oberste Ebene lag rund drei bis vier Meter unter der Erde. Es folgte die zweite Ebene mit einer Tiefe von sechs Metern und schließlich die unterste Ebene, die sich acht bis zehn Meter unter der Erde befand. Die einzelnen Einheiten und Ebenen waren durch sehr enge Tunnel miteinander verbunden, die sich wie ein Labyrinth durch die Erde zogen. Hier fanden Kinder und ältere Menschen Unterschlupf ebenso wie verletzte Soldaten und insbesondere Widerstandskämpfer. Über das Tunnelsystem konnten die Partisanen direkt vor den Toren der südvietnamesischen und amerikanischen Truppen nach Guerillataktik Sabotageaktionen und Anschläge durchführen und anschließend wie von Geisterhand untertauchen.

Tatsächlich handelte es sich nicht um bloße Geheimgänge. Stattdessen waren unter der Erde ganze Städte entstanden. Hier gab es Lazarette, Schulen, Schlafgelegenheiten und Büros. Die Verstecke unter der Erde dienten vor allem auch als Kommandozentrale, um den Widerstand gegen die Gegner zu planen und zu formieren und um Aktionen durchzuführen. Nur so war die legendäre Besetzung der amerikanischen Botschaft im in Saigon überhaupt möglich gewesen. Die Tunnel zwischen den einzelnen unterirdischen Gebäuden waren sehr eng und hatten gerade mal eine Größe von 80 auf 60 Zentimeter. Die Eingänge waren sehr geschickt getarnt. Es waren mit Laub und Grasbewuchs getarnte Klapptüren, die von außen als solche nicht zu erkennen waren. Zusätzlich wurden die Eingänge mit einfachen und sehr wirkungsvollen Fallen gesichert, zum Beispiel durch Bambusspieße, deren Entdeckung tödlich endete.

Die Cu Chi Tunnel hielten Zerstörungen weitgehend stand

Immer wieder versuchten die Amerikaner, die Cu Chi Tunnel zu zerstören. Dabei ließen sie nichts unversucht. Zunächst kamen sogenannte Tunnelratten zum Einsatz. Amerikanische Soldaten mussten in Angriffsabsicht in das Tunnelsystem steigen, was jedoch kaum ein Soldat überlebte. Die sich anschließenden Aktivitäten reichten von Bombardements über das Einleiten von Giftgas in die Tunnelanlage bis zum Fluten mit Wasser. Mit dem chemischen Entlaubungsmittel Agent Orange wurde der wertvolle Regenwald entlaubt, um den Boden freizulegen. Alle Versuche blieben aufgrund der Tiefe und der Ausdehnung des Tunnelsystems erfolglos. Es war nahezu unmöglich, die Anlage zu zerstören, weder durch Bomben noch durch Wasser und auch nicht durch Gas. Selbst das war wirkungslos, weil die Vietnamesen eine Art Siphon in das Tunnelsystem eingebaut hatten. Erst als die Amerikaner mit B52 Bombern ganze Regionen mit Bombenteppichen überzogen, brachen schließlich Teile der Tunnel ein. Daneben hatten die Tunnelbewohner noch mit ganz anderen Attacken zu kämpfen, nämlich mit Ratten, Giftschlagen, zahlreichem Ungeziefer und einer enormen Hitze, die im gesamten Tunnelsystem das größte Problem war. 

Eine Person lädt ein Maschinengewehr auf dem Schießstand der Cu Chi Tunnel.
Besucher haben heute die Möglichkeit, auf einem bewachten Schießstand mit historischen Waffen zu feuern.

Die Cu Chi Tunnel heute

Heute sind die meisten Tunnelsysteme in Cu Chi verfallen oder verschüttet worden, während auf dem Gebiet des einstigen und für immer verlorenen Regenwaldes nun anspruchslosere Pflanzen wie Eukalyptus und Akazien wachsen. Im Vietcong Park bei Cu Chi gibt es noch einen Tunnel, der für Besucher zugänglich gemacht wurde und der von Touristen besichtigt werden kann. Manche Führer lassen Touristen vorab nach dem Eingang suchen. Da wird der Boden abgetastet, Buschwerk beiseite geschoben und Zweige entfernt. Dennoch entdecken Touristen den kreisrunden Deckel im lehmigen Boden regelmäßig nicht. Manche Guides demonstrieren auch, wie schnell man im Tunnel verschwinden und ebenso schnell an anderer Stelle wieder auftauchen kann. Obwohl der Tunnel erweitert wurde, ist es nur kleinen und schlanken Menschen möglich hinab zu steigen. Die rund 60 Meter lange Schaustrecke ist teilweise nur kriechend zu bewältigen. Zwischendurch gibt es immer wieder die Möglichkeit, den Tunnel zu verlassen, der immer kleiner und enger zu werden scheint. Nicht alle Besucher, die zu Beginn in den Tunnel gestiegen sind, halten bis zum Ende durch. Die fortwährende Enge und die unglaubliche Hitze lassen die Schweißperlen fließen und hinterlassen ein Gefühl der Bedrückung. Wer unter Klaustrophobie leidet, sollte ohnehin davon ablassen.

Entlang eines Rundwegs ist außerdem ein Themenpark aufgebaut. Lebensgroße Figuren dokumentieren, wie der Vietcong agierte, wenn zum Beispiel nicht detonierte amerikanische Fliegerbomben unter lebensgefährlichen Bedingungen zersägt wurden. Außerdem ist ein zerstörter amerikanischer M41-Panzer zu sehen, den viele Besucher für ein Erinnerungsfoto nutzen, was allerdings nicht jedermanns Geschmack ist. Ziemlich geschmacklos ist ein Schießstand mit ehemaligen Kriegswaffen. Am Eingang des Geländes Benh Dinh befindet sich ein Informationszentrum, in dem das Tunnelsystem dokumentiert wird. Das gilt insbesondere für die Modelle und Zeichnungen, die eindrucksvoll die Architektur der Tunnel sowie die verschiedenen Ebenen und Verbindungstunnel verdeutlichen. Etwa fünfzehn Kilometer entfernt in nordwestlicher Richtung ist die Gedenkstätte Benh Duoc, wo ein Tempel und ein Mahnmal an die gefallenen Helden erinnern. 

Die Anreise zum Vietcong Park bei Cu Cii

Am einfachsten erreichen Sie die Cu Chi Tunnel, wenn Sie eine Tagestour von Ho Chi Minh Stadt buchen. Sie dauert meistens um die sechs Stunden. Darüber hinaus können Sie Ihr Ziel auch auf eigene Faust vom Busbahnhof Cho Lon aus mit der Linie 94 erreichen. Vom dortigen Busbahnhof legen Sie den restlichen Weg mit einem Motorrad Taxi zurück. Sowohl Benh Dinh als auch Benh Duoc sind täglich von 7.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 90.000 Dong. 

Insgesamt ist die Besichtigung der Cu Chi Tunnel lohnenswert. Nirgendwo sonst erfahren Sie mehr über die Geschichte Vietnams und über den Vietnamkrieg. Es ist ein dunkles Kapitel und ein wichtiger Bestandteil der Landesgeschichte, der eine große Aussagekraft bezüglich der in Vietnam lebenden Menschen und ihre Mentalität hat. Es ist unvorstellbar, wie sich die Bevölkerung und insbesondere die Widerstandskämpfer gegen die Zerstörungsversuche zur Wehr setzten. Noch unglaublicher ist die Vorstellung, dass Menschen über Jahre in den Tunnelsystemen gelebt und ausgeharrt haben.

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