Wir zeigen dir hier, wie du in Thailand kleine Unpässlichkeiten mit Schätzen aus der Natur ausgleichen kannst. Das subtropische Wachsklima in Thailand bringt nämlich nicht nur fantastische Früchte hervor. Überall begegnen dir Blätter, Wurzeln, Rinden und Kräuter, die alle für irgendwas gut sind. Besonders die älteren Thais kennen sich da noch bestens aus.
Versteht sich von selbst, dass das Lesen dieser Zeilen im Ernstfall keinen Arztbesuch ersetzt und auch keine Heilsversprechen bringt.
Pillen in Thailand
Eigentlich müsste ganz Thailand ziemlich schmerzfrei sein. Schließlich gibt es Paracetamol und Ibuprofen in jedem Store und Supermarkt günstiger als Kaugummi. Auch Ärzteschaft und Krankenhäuser wagen es nicht, jemanden ohne eine Handvoll Medikamente wieder nach Hause schicken.
Antibiotika erhältst du allein schon zur Vorsorge jedes Mal. Es könnte ja sein, dass sich während der Konsultation ein falsches Bakterium in deiner Hosenfalte verfangen hat.
Dabei beschenkt die Natur die Thailänder so reich mit Pflanzen, die vor sekundären Pflanzenstoffen nur so strotzen. Das sind genau die Stoffe, mit denen sich Pflanzen gegen Feinde und Krankheiten schützen. Genau die Stoffe, die sich die Menschen schon seit Jahrtausenden für ihre Gesundheit zu Nutze machen. Unsere heutigen Antibiotika und Aspirin Tabletten wären ohne Schimmelpilz und Weidenrinde nicht existent.
Wunden, Viren, Mückenstiche
Doch muss man ja nicht immer gleich die Chemiekeule schwingen. Besonders, wenn es sich um kleine vorübergehende Unpässlichkeiten handelt. Das können die unangenehmen Symptome einer Erkältung oder eines grippalen Infekts sein. Übelkeit, Juckreiz, Müdigkeit, Schmerzen drin und eher äußerlich, die Liste ließe sich noch unendlich fortsetzen.
Sind ersthafte Erkrankungen abgeklärt, geht es häufig nur darum, die Zeit bis zur Genesung einigermaßen würdevoll und ohne allzu große Qualen zu überstehen. Genau dafür hält die Natur einiges bereit.
Fünf Kräuter, an denen du in Thailand nicht vorbeikommst
1. Fah Talai Jone (ฟ้าทะลายโจร - Andrographis paniculata)
Ein super bitteres Kraut, das wie Unkraut überall wächst, aber nur schwer auszumachen ist. Es empfiehlt sich eh, Kräuter vom Straßenrand und an Wegen besser nicht zu verwenden. Aus Gründen!
Außerdem bekommst du Fah Talai Jone als Pillen und in Kapselform fast überall, sogar beim 7-Eleven. Sie dienen den Thais als erste Abwehr gegen eine drohende Erkältung. Auch zum Lindern der Symptome, wie Fieber und Halsschmerzen. In der Covid-Zeit fanden sie reißenden Absatz. Dem "King of Bitter" wird eine antivirale, immunstimulierende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.
2. Plai (ไพล - Zingiber cassumunar)
Vom Geruch her wird es dir bekannt vorkommen. Ein zitroniger Ingwergeruch, der von bestimmten Balms und Massageölen ausgeht. Plai ist ein wesentlicher Bestandteil vom Yellow Balm. Er ist auch pur als Zingiber cassumunar Balm erhältlich.
Ab einem gewissen Alter ein ständiger Begleiter der Thais. Denn er kommt recht wirkungsvoll bei Muskel- und Gelenkschmerzen, bei Rheuma und Arthrose zum Einsatz. Soll aber auch kurzfristig bei Prellungen, Entzündungen und Blutergüssen helfen.
3. Bai Bua Bok (ใบบัวบก - Centella asiatica)
Dieses wunderschöne und wohlschmeckende runde Blatt ist dir bestimmt schon auf den thailändischen Wochenmärkten begegnet. Und zwar in Form eines grünen, süßen Kräutergetränks. Manche Händler bieten sogar eine ungezuckerte Version, das ist gesünder und lässt den Kräutergeschmack mehr zur Geltung kommen.
Diesem Kräutlein eilt der Ruf voraus, auf das vegetative Nervensystem zu wirken. Wohltuend natürlich. So wird ihm eine nervenstärkende und stressmindernde Wirkung nachgesagt. Vielleicht ist es dir schon mal unter dem Namen Gotu Kolabegegnet. In der Ayurveda spielt es eine wichtige Rolle. Du bekommst es als frisches oder getrocknetes Kraut, als Saft, Paste, in Pulverform für deinen Smoothie oder neutral in Kapseln verpackt.
4. Rang Jued (รางจืด - Thunbergia laurifolia)
Das ist ebenfalls fast ein Unkraut. Es wächst und rankt wie verrückt, wo immer es Gelegenheit findet. Zur Blütezeit erkennst du Rang Jued an den hübschen hellblauen Blüten. Man könnte sagen, das ist ein Entgiftungskraut. Bei einem Zuviel an Drogen und Alkohol erleichtert Rang Jued den Entgiftungsprozess. Nicht umsonst wird Rang Jued Tee traditionell am nächsten Tag nach einem Tempelfest von den Mönchen getrunken. Das sagt ja wohl alles. Seine Wirkung entfaltet Rang Jued auch präventiv. Nimm zwei Kapseln Rang Jued nach oder während einer ausschweifenden Party, jedoch noch vor dem Schlafengehen, und dann schau wie der nächste Tag wird. Natürlich raten wir an dieser Stelle von jeglichen Exzessen strengstens ab!
5. Sadao (สะเดา - Neem / Azadirachta indica)
Wir kennen die Blätter des Neembaums, beziehungsweise eine Essenz daraus, als biologisches Pflanzenschutzmittel. Nicht so bekannt ist die kulinarische und gesundheitliche Anwendung. Innerlich eingenommen hat Neem eine reinigende Wirkung auf das Blut, äußerlich angewendet wirkt es reinigend bei Hauterkrankungen. Es stärkt die Leber und soll sogar gegen Parasiten wirken.
Aufgrund der starken Wirkstoffe, Neem besser nicht dauerhaft in hohen Dosen einnehmen. Die Triebspitzen bekommst du in der Saison als bittere Beilage zu scharfen Dips serviert. Aus den Samen und der Rinde werden Extrakte, Tinkturen und Cremes hergestellt. Aus dem Schnitt eines Neembaums lässt sich eine Jauche ansetzen, die dann als natürliches Insektizid zum Einsatz kommen kann.
Die beliebtesten Darreichungsformen
Ya Dom (ยาดม - Inhalator)
Was wären einige Thais ohne ihren Ya Dom in der Nase. Ein Inhalationsstift in Lippenstiftgröße. Er hilft bei Schnupfen, gegen Übelkeit und Schwächegefühle, gegen Auspuffgase sowie überhaupt gegen schlechte Gerüche aller Art. Meist ist es ein Mix aus ätherischen Ölen, wie Kampfer, Menthol und Eukalyptus. Je nach Sorte mit weiteren Kräutern wie Ylang-Ylang oder Bai Bua Bok gemischt. Neben den Tiger Balm Tiegeln sind Ya Dom Stifte ein sehr beliebtes Mitbringsel aus Thailand.
Ya Mong (ยาหม่อง - Kräuterbalsam)
In diversen Ausführungen ist Ya Mong in jedem Thai-Haushalt, in jeder Handtasche präsent. Das sind alles Variationen, häufig sogar hauseigene Rezepte, vom weltberühmten Tiger Balsam. Grob unterteilt man ihn in rot (wärmend) und weiß (kühlend).
Für die wärmende Wirkung zeigt sich vor allem das chinesische Zimtöl verantwortlich. Ansonsten befinden sich in fast allen Salben dieser Art hauptsächlich Kampfer, Menthol, Cajeputöl, Pfefferminzöl und Nelkenöl in unterschiedlichen Anteilen. Je nach Lage kommen sie bei Erkältungen, gegen Muskelschmerzen, Mückenstiche und Kopfschmerzen zum Einsatz. Mal wirken sie kühlend, mal durchblutungsfördernd und abschwellend.
Kabsun (แคปซูล - Kapseln)
Eine weitere, sehr gängige Darreichungsform ist die moderne Kabsun (แคปซูล). Das sind Kapseln, die meistens mit gesundheitsfördernden Kräutern in Pulverform gefüllt sind. So kennen wir sie ja auch überall auf der Welt. Die beliebtesten sind hier gefüllt mit Bai Bua Bok, Rang Jued, Noi, Fah Talai Jone, Kurkuma und Ingwer.
Fazit
Es macht wirklich Spaß, ein wenig in die thailändische Kräuterwelt einzutauchen. Gerade im Norden Thailands gibt es noch eine sehr lebendige Kräutertradition. Häufig findest du die unterschiedlichsten Kräuter auch auf deinem Teller. Bestelle in einem Restaurant mit typisch nordthailändischer Küche ein Laab Kuah (gehacktes Fleisch, raffiniert gewürzt). Im besten Fall bekommst du einen Haufen verschiedener Kräuter im Körbchen dazu. Ein jedes mit seinem unverwechselbaren Aroma und in Europa gänzlich unbekannt. Unnötig zu erwähnen, dass sich alle auf ihre Weise positiv auf deine Gesundheit auswirken.


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