Die Bergvölker Thailands

Das Leben auf den Gipfeln

Sie heißen Karen, Mien, Hmong oder Lisu und man hat höchstwahrscheinlich bis zum ersten eigenen Thailand Urlaub noch nie etwas von ihnen gehört: die Bergvölker Thailands. Inmitten unwegsamer Ebenen, dichten Dschungeln und schroffen Klippen leben sie hier nach ihren alten Traditionen und Gebräuchen. 

Thailands Bergvölker
Thailands Bergvölker

Früher waren diese Völker als Nomaden unterwegs: Sie siedelten sich an, bewirtschafteten das Land, und wenn der Boden ausgelaugt war, wanderten sie weiter. Heute ist diese Art der Bewirtschaftung allerdings in Thailand verboten, weshalb die meisten Bergvölker sesshaft geworden sind. Eine wichtige Einkommensquelle für sie sind mittlerweile die Produktion von traditioneller Bekleidung, Silberschmuck, Holzschnitzereien und anderem Kunsthandwerk. Auch der Tourismus hat für die Bergvölker in den letzten Jahren an einiger Bedeutung gewonnen – was allerdings nicht immer ohne Kontroversen abgelaufen ist.

 

Die meisten Bergvölker sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über China, Myanmar oder Tibet eingewandert, und hatten es nicht wirklich leicht. Nicht nur wurde ihnen untersagt, ihre Art der Landwirtschaft weiter zu praktizieren, sie wurden auch immer wieder versucht, „thaiisiert“ zu werden. In den siebziger Jahren standen viele Bergvölker im Verdacht, Kommunisten zu sein und mit Angehörigen ihrer Ethnie in China oder Myanmar zusammenzuarbeiten. Sie wurden deswegen verfolgt und – im besten Fall – eingesperrt. 

Die sechs anerkannten Minderheiten

In Thailand gibt es momentan über 30 verschiedene Bergvölker, die sich sowohl im Norden des Landes als auch im Nordosten, dem sogenannten Isan, angesiedelt haben. Allerdings werden nur sechs dieser Völker auch von der thailändischen Regierung als ethnische Minderheit anerkannt. 

Karen

Die Karen sind wohl das gemeinhin bekannteste Bergvolk, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass sie was die Größe ihrer Population angeht weit vorne liegen. Über ganz Südostasien, hauptsächlich Thailand, Myanmar und Laos, gibt es mehr als 3 Millionen Angehörige der Karen. Doch die Karen haben noch einen weiteren Vorteil im Gegensatz zu vielen anderen Bergvölkern: Sie sind zu 30 % Christen und leben von der Landwirtschaft, bzw. dem Reisanbau.


Sie gelten als sehr naturverbunden und leben recht zurückgezogen in abgelegenen Wäldern entlang der westlichen Grenze Thailands. Ein Drittel der gesamten Karen-Population lebt heute in der Provinz Chiang Mai.

Die Karen leben in einem engen Familienverbund: Mutter, Vater und unverheiratete Kinder (wobei die „Kids“ teilweise auch noch für einige Jahre nach der Hochzeit bei den Eltern wohnen, bis ein eigenes Haus gebaut wird) leben gemeinsam. Eine Scheidung zwischen Ehepartnern gibt es nicht und Untreue ist ein großes Tabu für die Karen. Sie streben nach einem einheitlichen Leben mit ihrer Familie und der Natur, ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse stehen nicht zum Verkauf, sondern dienen der reinen Selbstversorgung, genauso wie bei der Tieraufzucht.

Eine Gruppe der Karen sind die Padaung, besser bekannt als „Long Neck“. Ihre Frauen tragen schwere Metallringe um den Hals, um in zu strecken oder auch zu elongieren. Sie gehören wahrscheinlich zu den am meisten fotografierten Frauen Thailands. 

Akha

Die Akha (auch Aka oder Ahka) sind als diejenige ethnische Minderheit bekannt, die sich noch am meisten an ihren alten Gepflogenheiten festhalten. Das ist allerdings auch einer der Gründe, warum sie zu den ärmsten ethnischen Minderheiten gehören. Sie verweigern die Nutzung von „neumodernem“ Werkzeug und leben von wechselnder Landwirtschaft. Abwechselnd bauen sie Reis, Mais, Paprika, Bohnen und anderes Gemüse an, die Erträge reichen aber meist kaum, um den eigenen Bedarf zu decken.


Man kennt sie vor allem für ihre farbenprächtigen Trachten, auf die sie sehr stolz sind und auch gerne präsentieren. Heute gibt es knapp 50.000 Akha in Thailand, die sich in 300 Dörfern hauptsächlich in den Provinzen Chiang Rai, Chiang Mai, Lampang, Tak, Lamphaeng Phet und

Phrae befinden. Sie bevorzugen es, ihre Dörfer in Höhen ab 1.000 m zu erbauen.


Ein großes Problem vieler Akha-Dörfer war (und ist in Teilen auch heute noch) der Opium-Anbau. Denn die Akha verkaufen das Opium nicht etwa, um sich ihren Lebensunterhalt aufzubessern, sondern nehmen das Opium selbst. Ein Problem, welches auch König Bhumibol erkannt hat: Er ließ ein königliches Projekt entwickeln, mit dem den Akha Alternativen zum Opium-Anbau geboten wurden. 

Lisu

Die Lisu sind ein zweigeteiltes Völkchen: Es gibt die „Blumigen“, oder auch Hua Lisu und die „Schwarzen“ oder He Lisu. Die meisten der rund 30.000 Lisu in Thailand gehören zu den Blumigen und leben fast überall in Thailands Norden verstreut.

Ursprünglich aus Osttibet stammend, kamen die Lisu vor über 100 Jahren aus Yunnan in China nach Thailand. Und auch heute noch spürt man viel von der chinesischen Kultur: Die Lisu sind Animisten und Ahnen-Verehrer und feiern ihr Neujahrsfest gemeinsam mit den Chinesen.


Das Bergvolk der Lisu ist bei vielen Touristen sehr beliebt: Das liegt an den kunterbunten Trachten aus miteinander vernähten Stoffstreifen. Diese Art von „Patchwork“ hat sich bei Thailand Urlaubern als ein wahrer Verkaufsschlager erwiesen. Daneben erwirtschaften die Lisu ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau von Reis, Gemüse und Opium (wenn auch hier die Regierung versucht, Alternativen zu präsentieren).

 

Die Lisu leben in ebenerdigen Häusern, gruppiert um einen gemeinsamen Marktplatz. Ihre Dörfer finden sich zumeist in der Nähe von Berggipfeln, und immer in der Nähe von Bächen oder kleineren Wasserfällen. 

Lahu

Die Lahu (in Thailand auch unter dem Namen Musur bekannt) sind ein Volk, welches ursprünglich in Tibet und Südwestchina beheimatet ist. Heute leben etwa 80.000 Lahu in Thailand, und das meist verteilt auf die nördlichen Provinzen Kamphaeng Phet, Tak, Chiang Mai, Chiang Rai sowie Mae Hong Son.

Lahu bedeutet soviel wie „Jäger“ und auch heute noch ist das Volk für seine Fallenbau- und Jagdkünste bekannt. Sie sind zudem auch größer gebaut als viele andere Bergvölker und die Thai und für ihr eher aggressives Verhalten untereinander bekannt. Monogamie wird bei den Lahu eher auf die leichte Schulter genommen, und Scheidungen sind nicht ungewöhnlich.


Die Männer sind geschickt in der Holzbearbeitung und so verkaufen die Lahu Musikinstrumente, Möbel und anderes aus Holz und Rattan. Auch die einzigartig geflochtenen Körbe der Lahu sind auf den Märkten zu einem Verkaufsschlager geworden.

 

Aber natürlich spielt auch bei den Lahu die Landwirtschaft eine Rolle, wobei manche Dörfer immer noch auf den Opium-Anbau setzen. Ansonsten werden trockener Reis, Mais, Paprika, Melonen und andere Gemüse- und Obstsorten angebaut. 

Hmong

Von dem Bergvolk der Hmong, ursprünglich aus China, gibt es ca. 130.000 in Thailand, wovon allerdings 60.000 Flüchtlinge aus Laos in Auffanglagern entlang der nordöstlichen Grenze „wohnen“. Sie sind, nach den Karen, die zweitgrößte Gruppe unter den Bergvölkern und stellen knapp 20 % der Population.

Die Hmongs selbst werden untereinander nochmals in drei Gruppen unterschieden: die Blauen Hmong, die Weißen Hmong und die „Armband Hmong“, die eigentlich nur eine Untergruppe der Weißen sind und meist in den Flüchtlingslagern leben.


Eine Besonderheit der Hmong, die in China übrigens Miao heißen, ist ihr Geschick im Fertigen von Textilien. Fein gefärbt und gewebt haben sich die Kleider, Hemden und Tücher zu einem guten Geschäft für die Hmong entwickelt und sie zeigen einiges geschäftliches Geschick bei ihrem „Vertrieb“.

Die Hmong sind streng gläubige Animisten und Schamanen, Geisterrituale und sogar Tieropfer gehören hier zum täglichen Leben dazu. 

Yao

Last, but not least, wären da noch die Yao, die sich selbst allerdings Mien nennen. Sie leben hauptsächlich im Nordosten rund um Chiang Rai, Nan und Phayao und sind das einzige der Bergvölker, welches über eine eigene Schriftsprache verfügt. Diese basiert auf chinesischen Schriftzeichen und auch sonst haben die Yao viel aus ihrem Ursprungsland China mitgebracht: die meisten von ihnen folgen dem mittelalterlichen chinesischen Taoismus und viele ihrer Traditionen stammen aus dem chinesischen Reich.


Die Yao sind für ihre Freundlichkeit weit über die Berge hinaus bekannt – und das, obwohl sie meist recht weit oben wohnen und schwer zu erreichen sind. Hauptsächlich leben die Yao von der Landwirtschaft, in den letzten Jahrzehnten haben sie auch sehr erfolgreich ihre delikaten Stickereien an Touristen und Einheimische verkauft. Auch ihre Kunst, Schmuckstücke aus Silber zu fertigen gilt mittlerweile als legendär. Sie gelten als eines der Bergvölker, das große Bereitschaft zeigt, sich in das tägliche Leben in Thailand einzufügen und ein aktiver Teil davon zu werden.

 

Man kennt die Yao oft von Bildern aus Thailand, welche kleine Babys mit aufwendigen roten oder rosanen Mützchen mit Bommeln zeigen, oder aber Frauen mit goldenen Zähnen und auffälligen, farbenfrohen Trachten. 

Die Krux mit dem Tourismus

Die Bergvölker Thailands lebten bis vor einigen Jahrzehnten noch vollkommen abgeschieden und blieben meist unter sich. Doch das hat sich geändert, nicht nur durch den immer stärker werdenden Tourismus, sondern auch durch die Bemühungen der thailändischen Regierung, die Bergvölker mehr einzubinden.

Hunderte Entwicklungsprojekte sollen dabei helfen, die Landkultivierung zu unterstützen, Bewässerung für Felder und Plantagen zu legen und vor allem Alternativen zum Anbau von Schlafmohn (aus dem später Heroin hergestellt wird) zu bieten.

Zudem haben die Bergvölker alle die thailändische Staatsbürgerschaft, was bedeutet, dass für ihre Kinder und Jugendlichen die Schul- und Militärpflicht gilt. Im Zuge dessen wurden unzählige Schulen in den Bergen Thailand erbaut, um zu gewährleisten, dass die Bergvölker neben ihrer eigenen Stammessprache auch die thailändische Sprache lernen. Aber das ändert immer noch nichts an der Tatsache, dass die schulischem Möglichkeiten und die ärztliche Versorgung erbärmlich sind, und auch das Einkommen der Bergvölker ist, verglichen mit Thais, lächerlich gering.

 

Mit dem immer größer werdenden Andrang auf ihre Dörfer nutzten die Bergvölker natürlich die Gelegenheit, um durch den Verkauf von Bekleidung, Holzschnitzarbeiten, Körben und vielem mehr, ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Doch mit einer Öffnung für den „Thai way of life“ kamen natürlich auch die Annehmlichkeiten des „Westens“ und so stehen manche Bergvölker mittlerweile vor den Scherben ihrer eigenen Kultur. Die Jugendlichen zieht es immer öfter in die Städte, wo sie Hilfsarbeiten übernehmen und in die Dörfer ziehen immer mehr Annehmlichkeiten des „Westens“ ein.

 

In einigen Dörfern tragen die Einwohner zum Beispiel ihre farbenprächtigen Trachten nur noch, wenn eine Touristengruppe ins Dorf kommt – und kassiert für Fotos.

Aber es geht auch anders: In der Nähe von Chiang Mai befindet sich die Lisu Lodge, eine Bungalowanlage inmitten eines rauschenden Dschungels – und wird komplett von Angehörigen des Lisu-Stammes geführt. So gehen die Erlöse genau dorthin, wo sie gebraucht werden, in das Dorf der Lisu. Ein perfektes Beispiel für gelebte Nachhaltigkeit, was auch ein Grund ist, warum wir, die Thailand-Spezialisten, die Lisu Lodge in unser Programm aufgenommen haben. Bei einer Fahrradttour durch die pittoreske Landschaft rund um Chiang Mai, kehren wir in der Lisu Lodge ein und verbringen zwei Nächte dort. 

Die Religion der Bergdörfer Thailands

Auch wenn mittlerweile einige Bergvölker zum christlichen oder buddhistischen Glauben konvertiert sind, die „Hauptreligion“ ist, und bleibt der Animismus, oft gepaart mit einem ausgeprägten Ahnenkult.

 

Animismus ist in ihrer Reinform eigentlich nur bei Jäger- und Sammler-Völkern zu finden. Es gibt keine niedergeschriebenen Regeln, wie bei der Bibel, sondern das gesamte Wissen wird immer von den Älteren an die Jüngeren weitergegeben. Animisten glauben, dass alles, jedes Lebewesen, jede Pflanze und jeder Stein Teil eines Ehrfurcht gebietenden Kosmos‘ sei. Sie glauben nicht an Götter (weshalb es bei Animisten auch keine Kirchen oder Tempel gibt), aber an ein „Höchstes Wesen“.

 

Tief verbunden mit dem Animismus ist der Toten- und Ahnenkult. Für gläubige Animisten gibt es „gute Geister“ (die Geister ihrer Ahnen), um die sie sich kümmern müssen. Nur, wenn man den Verstorbenen nicht vergisst, erlangt sein Geist den Zustand der reinen Unsterblichkeit. Doch wird eine Seele vergessen, dann verwandelt sie sich in einen bösartigen Geist, der von dort an Schrecken und Furcht über seine Familie bringen wird.

 

Dies spielt sicherlich auch eine Rolle dabei, dass bei den meisten Bergvölkern die Familie und der Familienverbund so eng geknüpft ist – wer möchte schon seine Ahnen im Haus spuken haben?

 

In animistischen Kulturen ohne Ahnenkult finden sich oft Schamanen, die als Verbreiter des Wissens aus dem Jenseits dienen sollen. Der Schamane ist sogleich Arzt, Berater und Orakel, und kann durch Ekstase in Kontakt mit Hilfsgeistern treten, die ihm das längst vergessene Wissen der Toten überbringen sollen. 

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