Do

31

Mär

2016

Ladyboys in Thailand - Was steckt dahinter?

"Nein, glaub ich nicht!" - "Ja doch. Achte mal auf den Körperbau. Oder warte mal, bis sie, nein, er etwas sagt. Die Stimme. Na, hörst du´s?" - "Unglaublich! Sie ist so hübsch!"

Ladyboy Thailand
Ladyboys in Thailand

Solche und ähnliche Dialoge sind keine Seltenheit unter thailändischen Urlaubern. Klar, die Rede ist von Ladyboys. Oder Katoeys, wie sie in Thailand genannt werden. Einigermaßen passend lässt es sich mit "Zwitter" übersetzen.

Längst hat sich Thailand weitestgehend vom schmuddeligen Image des Sextourismus in Thailand emanzipiert. Fast zeitgleich relativierten sich auch die romantischen Vorstellungen, die über Thailand kursierten: Thailand, das Land lächelnder, serviler Schönheiten. Thailand, als friedvolle und farbenfrohe Heimat exotischer Flora und Fauna und gütiger, weiser Mönche in safranfarbenen Gewändern. 

 

Spätestens mit der erneuten Übernahme der Regierungsgewalt durch das Militär; spätestens seit wohlbeleibte Mönche sich, über Smartphonedisplays wischend, schlagzeilenträchtig in die Diabetes futtern; spätestens jetzt scheint es Zeit, Thailand etwas nüchterner zu betrachten und neu schätzen zu lernen.

Thailand ist ein faszinierendes, exotisches Land mit angenehmem Klima und mit einer zu über 90% buddhistisch geprägten Bevölkerung. Letzteres spielt durchaus eine Rolle in Sachen Transgender, wie wir gleich sehen werden. Immer noch wird in Thailand, im weltweiten Vergleich, überdurchschnittlich viel gelächelt. Die Menschen sind überwiegend zartgliedrig, gesellig und lieben alles, was schön ist oder was man essen kann. 

Dennoch war und ist Thailand, jenseits touristischer Barviertel, weder früher noch heute, ein Paradies sexueller Freizügigkeit. Liebkosungen, Küsse auf offener Straße, Homo-, Bi- und Transsexualität sind noch heute ein Tabu. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Transsexualität werden nicht offiziell anerkannt und nur selten als gleichwertig in der Gesellschaft toleriert oder gar akzeptiert. 

Doch ist es nicht allein der fleißigen Arbeit, gewisser Zweige der Tourismusbranche zuzuschreiben, wenn gerade Thailand noch bis heute als Eldorado für Homo- und Transsexualität gilt. Tatsächlich lässt sich einiges aus den historischen buddhistischen Mythen ableiten.

Kathoey Thailand
Kathoey Thailand

Bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gab es eine dreiteilige Geschlechterordnung im einstigen Siam, heutigen Thailand: Frauen, Männer und Kathoey. Als Kathoey wurden damals sämtliche geschlechtlichen Abweichungen von Frau und Mann bezeichnet.

 

Dies galt für Männer sowie für Frauen, die im falschen Körper geboren wurden, genauso wie für Homosexuelle und Menschen, denen es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich war, ihre Sexualität innerhalb der gesellschaftlichen Norm auszuüben.

 

Man tolerierte all diese Kathoey-Erscheinungsformen als Ergebnis des Karmas, das sich der- oder diejenige lebenslang aufgeladen hat.


Erst mit Einzug der westlichen Wissenschaften und Lebensweisen in den sechziger Jahren, fing man in Thailand an, diese Neigungen als etwas Abartiges und nicht Gesellschaftsfähiges anzusehen. So kam es heute zu der paradoxen Situation, dass es überdurchschnittlich viele Kathoeys, Schwule und Lesben in Thailand zu geben scheint, sie aber weniger Anerkennung und Akzeptanz bekommen, als bei uns im Westen. Transsexuelle und Homosexuelle, die in der westlichen Welt erst seit einigen Jahren öffentlich sichtbar werden, gehörten in Thailand schon immer zum Straßenbild. Lediglich die gesellschaftliche Bewertung und Anerkennung, hinkt nun in Thailand, durch die vorangegangenen westlichen, biomedizinischen Einflüsse wieder hinterher. In Zahlen schätzt man in Thailand auf jeweils 200 Männern einen "Ladyboy". Im Vergleich dazu kommt man in den USA auf nur einen Ladyboy unter 2.500 Männern. Ist das nun einer unterschiedlichen, genetischen Veranlagung oder der unterschiedlichen Religion und Gesellschaftsform geschuldet? 

Rechte in Thailand (Ladyboys), ein kurzer Überblick:

  • Noch bis 2012 wurden Katoeys ausgemustert, der Grund: Geisteskrankheit, Psychose.
  • Seit 2011 ist Transsexualität vom Verteidigungsministerium von der Liste schwerer psychischer Krankheiten gestrichen.
  • Seit 2012 kann offiziell eine Abweichung vom Geburtsgeschlecht eingetragen werden.
  • Bis heute gibt es keine offizielle Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen und Transsexualität.

Einige Begriffsklärungen zum Thema Ladyboys in Thailand im Überblick:

Kathoey ist heute die Bezeichnung für:

  • Männer, die sich im falschen Geschlecht geboren fühlen (Transsexuelle)
  • Männer, die gerne als Frauen auftreten (Transvestiten)

Dieser Begriff umfasst alle Spielarten, egal ob der Wunsch nach einer hormonellen, operativen oder nur oberflächlichen Umwandlung besteht. 

 

Weitere Bezeichnungen für Ladyboys in Thailand:

  • Sao praphet song: Frau zweiter Art
  • Pet thi sam: Drittes Geschlecht
  • Englisch: Ladyman, Ladyboy, Shemale

Katoeys finden auch heute noch hauptsächlich im Unterhaltungsmilieu, in Bars und Restaurants Beschäftigung. Diesem Umstand ist es wohl auch zu verdanken, dass sie recht häufig im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen Erwähnung finden. Auch die Selbstmordrate ist unter den Katoeys auffällig hoch.

 

Auf dem Lande gehen sie oft ganz normalen Beschäftigungen nach, gerne in Parfümerien und Drogerien, aber auch in ganz normalen Betrieben, kleiner und mittelständischer Unternehmen. Immer vorausgesetzt, sie werden vom Arbeitgeber akzeptiert. Bei Bewerbungen für die Universität und für eine Anstellung in großen Firmen müssen die Wehrunterlagen eingereicht werden. Wer darüber nicht verfügt, hat meistens das Nachsehen.

 

Offene Verachtung, laute Beschimpfungen und Beleidigungen schätzt man in Thailand nicht. Dies mag ein weiterer Grund dafür sein, dass man, trotz gesellschaftlicher Nachteile, bis heute auffällig vielen Katoeys in Thailand begegnen wird.


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