So

15

Mär

2015

Bangkok und die Ruhe vor dem Taifun

Bangkok, die Hauptstadt Thailands hat mit einigen Problemen zu kämpfen: Luftverschmutzung, der hektische Verkehr und die Überbevölkerung sind dabei überraschenderweise nicht unbedingt die schlimmsten "Baustellen". Der thailändischen Hauptstadt droht Ungemach von ganz anderer Seite: die Stadt lebt in der ständigen Bedrohung entweder zu (ver)sinken oder aber überflutet zu werden. 

Bangkok Überschwemmungen und die Auswirkung des Klimawandels für Thailand
Bangkok, die thailändische Hauptstadt, ist stark vom Klimawandel betroffen.

Die Gründe dafür sind vielseitig. Einen großen Einfluss hat ganz ohne jeden Zweifel der Klimawandel, durch welchen die Meeresspiegel stetig steigen und die Jahreszeiten in Thailand ordentlich durchgeschüttelt werden. So kann es vorkommen, dass es in Bangkok während der Regenzeit eine Woche lang staubtrocken bleibt, aber dafür in der heißen Jahreszeit Massen an Regen herabdonnern. 

Auch die Tatsache, dass Bangkok auf lehmigem Untergrund erbaut wurde, ist nicht gerade hilfreich, der drohenden Katastrophe zu entrinnen. Die Hauptstadt sackt jährlich um knapp 3 - 4 cm ab und da sie sowieso schon nur knapp 5 Meter über dem Meeresspiegel liegt, prophezeien einige Wissenschaftler, dass Bangkok schon innerhalb der nächsten 50 Jahre zu einem neuen Atlantis werden könne - immer voraussetzend, dass die Regierung nicht endlich geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen würde. 

Bangkok steht vor einem ähnlichen Problem wie Manila, New York oder auch Amsterdam - die Gefahr hinsichtlich einer Überflutung. Doch wie kam es dazu? 

Eine Kombination aus vielen Faktoren begünstigt die missliche Lage

Dort, wo heute Bangkok steht, war vor tausend Jahren schon einmal eine Schwemmebene. Doch schon damals nahm der Klimawandel seinen Einfluss. Durch immer stärker wehende Winde und die dadurch wachsenden Wellen wurde jede Menge Sand, Lehm und Sedimentgestein den Chao Phraya hochgespült und formte so überhaupt erst die Grundlage für die heutige Hauptstadt.

Nachdem sich Torf, Sand, Ton und Kies abgelagert hatten, erblühte an den Ufern des Chao Phraya das Leben. Und nach dem Untergang des Königreichs von Ayutthaya im Jahr 1767 wurde zuerst die Kleinstadt Thonburi zur neuen Hauptstadt, um zehn Jahre später dann von Bangkok abgelöst zu werden. Vorher hatten sich in diesem Gebiet nur einige chinesische Fischer angesiedelt - und schon damals waren einige der Hütten auf Pfählen erbaut worden, um die menschlichen Behausungen vor Überschwemmungen zu schützen. 

Eine der Hauptursachen für die momentane Situation in Thailands Hauptstadt liegt in der jahrzehntelangen unkontrollierten Entnahme von Grundwasser. Da Thailand nicht, wie zum Beispiel Deutschland, über ein einheitliches System von Wasserwerken verfügen, bohrten unzählige Firmen und Bewohner einfach Brunnen in den Boden, um so das lebenswichtige Wasser zu entnehmen. 

Chao Phraya Fluss
Chao Phraya Fluss

Mit dem entnommenen Grundwasser wurden allerdings auch organische Materialien entfernt, die quasi wie ein Kleber wirkten, der die Bodenschichten zusammenhielt. Der Wasserdruck sank (und sinkt auch weiterhin) und so kommt es zu einer konstanten Absenkung der Stadt.

Die zweite Hauptkomponente, die zu einem Verschwinden Bangkoks von der Landkarte führen könnte, sind die steigenden Meerespegel. Durch die immer weiter steigenden Temperaturen wachsen die Wassermassen in den Meeren an, denn durch das Schmelzen der Gletscher und Polkappen kommt immer neues Wasser dazu. Die Wasserfläche auf der Erde wird vergrößert, denn Wasser sucht sich immer einen Weg zur Ausbreitung. 


Experten gehen davon aus, dass der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts um 20 - 100 cm ansteigen könnte - eine wahre Katastrophe für Städte wie Bangkok, die aktuell schon nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen. Das Problem ist übrigens nicht nur die Überschwemmung an sich: durch die Massen an Wasser können Senkgruben geflutet werden, wodurch es zu Seuchen kommen kann. Auch Öltanks, die von den Wassermassen mitgerissen werden, können zu schweren Verschmutzungen und Umweltkatastrophen führen. 

Das "Monkey Cheeks Projekt" des Königs

Thailand - und besonders Bangkok - lief schon immer Gefahr, von Wassermassen unter sich begraben zu werden. Immer wieder gab es Überflutungen, die viele Menschenleben kosteten und darüber hinaus auch Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Dem König Thailands, Bhumibol Adulyadej, der im nächsten Jahr hoffentlich sein 70-jähriges Thronjubiläum feiern wird, lag die Natur schon immer sehr am Herzen. Unter seiner Herrschaft wurden zahlreiche Naturparks und Marine-Schutzgebiete errichtet. Kein Wunder also, dass ihn die Überschwemmungen in Sorge versetzen. 


1995 entwickelte er die Idee des Kaem Ling Projekts, was wörtlich übersetzt etwa so viel bedeutet wie "Affenwangen Projekt". Und wie sollte es auch anders sein: diese Idee hat sich König Rama IX. aus dem Tierreich abgeschaut! Wenn man einer Gruppe von Affen Bananen hinwirft, werden sie sich zwar augenblicklich darauf stürzen und die Bananen schälen, aber sie schlucken sie nicht herunter. Stattdessen verstauen sie die Bananen in ihrer Wange - solange, bis alle Bananen "aufgeteilt" sind. Erst dann fangen sie an, die Früchte auch tatsächlich zu essen. 


Dieses Prinzip wollte der König mit dem Kaem Ling Projekt für das Land nutzen. Das Wasser sollte in Sümpfen, Seen und extra dafür errichteten Bassins "gelagert" werden, bis die Pegel wieder abgesunken sind. Dann erst sollte das Wasser langsam abgeleitet werden. 

2007 startete das Projekt mit drei verschiedenen Größen von Reservoirs (Klein, Mittel und Groß) die von 10.000 bis 6.000.000 Kubikmetern an Wasser auffangen können. Bangkok alleine verfügt über 21 dieser Reservoirs, die zum Teil unter der Leitung der Bangkok Metropolitan Administration liegen und zum Teil von anderen staatlichen und privaten Organisationen geführt werden. 

Doch trotz dieser Vorkehrungen kam es 2011 in Thailand zu den schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. 

Die verheerenden Überschwemmungen von 2011

Bangkok 2011: Die Straßen sind massiv überflutet
Bangkok 2011: Die Straßen sind massiv überflutet

Im Mai 2011 setzte ein ungewöhnlich starker Monsunregen ein. Als dann im Juni auch noch der Tropische Mega-Sturm Nok Ten mit extremen Starkregenfällen auf den Norden Vietnams traf, führte dies auch im Norden und Nordosten Thailands zu Sturzfluten und Überschwemmungen. Die Wassermassen wälzten sich besonders am Chao Phraya immer weiter flussabwärts und hatten im August schon das ehemalige Königreich Ayutthaya erreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Überschwemmungen schon 37 Menschenleben gefordert. Im September stand das Wasser vor den Toren Bangkoks, als es die Provinzen Pathum Thani und Nonthaburi erreichte, die direkt nördlich der Hauptstadt liegen. 

Doch es sollte noch schlimmer kommen: Ende September und Anfang Oktober fachten die Taifune Nalgae und Nesat sowie der Tropische Sturm Haitang im Norden Thailands die brenzlige Situation erneut an und noch mehr Wasser strömte den Chao Phraya hinunter. 

Ende Oktober hatte das Wasser die Außenbezirke Bangkoks erreicht, es mussten sogar mehrere Stadtviertel komplett evakuiert werden, da die Wassermassen über einen Meter hoch standen und die Stromversorgung zusammenbrach. Die Regierung errichtete daraufhin eine 77 km lange Schutzmauer aus über 1,7 Millionen Sandsäcken, um das Schlimmste von der Hauptstadt abzuhalten - allerdings wurde die Mauer immer wieder von Bewohnern der nördlichen Provinzen absichtlich beschädigt, um den Wasserabfluss in den eigenen Wohngebieten zu beschleunigen. 

Insgesamt kam es während der schwersten Überschwemmungen seit 50 Jahren zu über 400 Menschenopfern und einem Sachschaden von knapp 12 Milliarden Euro. Fast 12 Prozent des Landes waren von der verheerenden Katastrophe betroffen und auch die Nachbarländer Laos und Kambodscha hatten unter den Wassermassen zu leiden. 

Erst im Dezember trat eine Entspannung der Lage ein. Die thailändische Bevölkerung wurde dazu aufgefordert, bei den Räumungsarbeiten mit anzupacken, denn Müll, Schutt und Autowracks waren über die ganze Stadt verteilt. Hier zeigte sich mal wieder die unglaubliche Gemeinschaft, die die Thai vereint. Ohne Murren gab jeder sein Bestes, um Bangkok wieder bewohnbar zu machen. 

Die stoischen Mönche von Samut Khun Chin

Bangkok und seine Umgebung hatten also schon immer mit Sturzfluten und Überschwemmungen zu kämpfen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür ist das kleine Dörfchen Khun Samut Chin und vor allem die Mönche des örtlichen Tempels. 

Khun Samut Chin liegt nur etwa 50 km südwestlich von Bangkok, allerdings fühlt es sich an, als würde man eine komplett andere Welt betreten. Schon die Anreise erweist sich als eine Herausforderung. Nachdem man sich dem Städtchen mit dem PKW nähert, muss man danach umsteigen auf ein Longboat, welches einen durch die schmalen Kanäle weiterführt. Vom Zielpier aus geht es mit dem Fahrrad weiter und zwar auf Stegen, Planken und ausgetretenen Pfaden, bis man ins Herz von Khun Samut Chin vordringen kann. 

Die Besonderheit dieses Dörfchens? In den letzten 50 Jahren mussten die Bewohner ihre Hütten und die Schule immer wieder "umpflanzen", da die bisherigen Standorte geflutet wurden. Heute erinnern nur noch Strommasten und Holzplankenstege im Wasser daran, dass hier vor gar nicht allzu langer Zeit noch Häuser standen.

Bangkok

Nur der Tempel des Örtchens steht immer noch dort, wo er schon immer stand. Die Mönche des Khun Samut Chin Tempels weigern sich nämlich standhaft, den Tempel an einen trockeneren Ort zu verlegen. Die Spuren kann man deutlich erkennen: an den Fenstern des Tempels findet man Wasserspuren und die Mönche mussten ihn schon mehrmals eigenhändig erhöhen, damit sie überhaupt noch drinnen beten können. Um den Tempel vor Wellen und Fluten zu schützen, haben die Mönche Wellenbrecher gebaut und Mangrovenbäume gepflanzt. 

Die Anführerin des Dorfes, dessen Bewohner ihr Geld hauptsächlich mit Shrimps- und Muschelzucht verdienen, Samorn Khengsamut, tut alles, um die Aufmerksamkeit auf die Probleme mit den steigenden Wassermassen zu lenken. Ein Brief, den sie vor über zehn Jahren an die thailändische Regierung geschrieben hat, wurde erst kürzlich beantwortet - und zwar mit leeren Versprechungen. So versucht Samorn wenigstens Touristen für die Problematik zu sensibilisieren: in einem kleinen Museum kann man sowohl die chinesischen Ursprünge des Dorfes bestaunen, als auch eine reiche Auswahl an laminierten Bildern, die davon zeugen, welchen Weg sich das Wasser über die Jahre gebahnt hat. 


Auch wenn die Dorfbewohner der Sicherheit wegen umgezogen sind, die Mönche des Samut Khun Chin Tempels werden bleiben. Und "wenn Buddha möchte, dass der Tempel zerstört wird, dann sei dies sein Wille". So sieht wohl echtes "Gottvertrauen" aus. 

Wie kann Bangkok sich schützen?

Hierbei muss man unterscheiden zwischen dem, was die Regierung zum Schutz vor Überflutungen tun kann, und was die Bewohner an den Ufern des Chao Phraya tun können. Eins vorweg: die thailändische Regierung macht bis jetzt noch relativ wenig. Zum einen liegt dies daran, dass die Gefahr der steigenden Pegel regelmäßig verharmlost wird und zum anderen, dass wirklich effektive Maßnahmen schlicht und einfach zu teuer wären. 

Trotzdem gibt es Pläne, riesige Wellenbrecher und Schutzdämme im Golf von Thailand zu erbauen - ein solches Milliardenprojekt wird allerdings noch einige Zeit brauchen, bis es tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann. 

Thawi Watthana floodgate
Thawi Watthana floodgate

In Bangkok gibt es 60 Kontrollpunkte für die Kanäle, die deren Wasserstand prüfen und Alarm schlagen, sobald das Wasser zu hoch steigt. 20 Pumpanlagen helfen dabei, die Stände unter Kontrolle zu halten - aber auch diese können natürlich nur ein gewisses Kontingent "verarbeiten". Im Bedarfsfall können die Wasserstände in den Kanälen um einiges abgesenkt werden, doch sollte es bald zu dem erwarteten "Supertaifun" kommen, werden diese Kontrollmechanismen nicht ausreichen. 

Die Bewohner der Uferregionen versuchen sich deshalb selbst zu helfen. Sobald das Wasser steigt, werden in Windeseile Schutzwälle aus Sandsäcken errichtet, die das Wasser davon abhalten sollen, alles zu fluten. Wer es sich leisten kann, baut einfach ein zweites Haus auf das Erste und erhöht so seinen Standort.

Aber so eine Maßnahme können sich nur wenige Thailänder leisten und so verlassen viele Menschen die gefährdeten Gebiete. Zyniker sagen, dass dies der thailändischen Regierung nur recht sei, denn so können sie an den Ufern des Chao Phraya neue, moderne Häuser bauen und vermieten. 

Sieht man sich die momentane Lage Bangkoks an und bezieht die Prognosen für die Zukunft mit ein, so wird sich Bangkok über kurz oder lang nicht an seinem jetzigen Standort halten können - ein Umzug wird also früher oder später unumgänglich werden. Und vielleicht wählt man dann einen Standort, der günstigere Bedingungen bietet. 

Fakten und Zusammenfassung vom "Klimawandel Thailands"

  • Taifune kamen in Thailand früher alle 7 - 8 Jahre vor, heute alle 3 - 4
  • In den letzten Jahren ist die Temperatur um 2° angestiegen
  • Es wird erwartet, dass der Meeresspiegel in den nächsten 100 Jahren um 20 - 100 cm ansteigen werden
  • Die Niederschlagsmengen haben einen Zuwachs um 15 % erlebt
  • Der Golf von Thailand steigt um 3 mm pro Jahr
  • Bangkok sinkt jedes Jahr um ca. 3 cm ab
  • Bangkok verfügt über 60 Kanal-Kontrollpunkte & 20 Pumpanlagen
  • Bei der Flut von 2011 kamen 400 Menschen ums Leben, Sachschaden um 12 Milliarden Euro

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